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2022-09-10 12:13:17 By : Ms. Angel Liu

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Schwerer Unfall in Nürnberg: Doch die Polizei musste einen dreisten Gaffer abwimmeln, statt ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen zu können.

Ein 32-Jähriger erlitt lebensgefährliche Verletzungen, als er am Dienstagabend auf dem Nürnberger Nordring mit seinem Motorrad in ein Auto krachte. Ein Gaffer verschaffte sich unerlaubt Zutritt zum Unfallort. Weil es ihn interessiert habe.

Ein 58-jähriger Hyundai-Fahrer war am Dienstagabend auf dem Nordring in Nürnberg unterwegs. Wohl unvermittelt zog er an einer Kreuzung von der rechten über die linke Spur auf den Fußgängerüberweg. Das teilt das Polizeipräsidium Mittelfranken mit. Dahinter fuhr ein Motorradfahrer, der nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte und in die linke Seite des Autos krachte. Der 32-Jährige zog sich lebensgefährliche Verletzungen zu, er wurde ins Krankenhaus gebracht. Der Autofahrer erlitt leichte Verletzungen.

Es kam zu Verkehrsbehinderungen im Berufsverkehr: Der Nordring war am Dienstagabend in beide Richtungen voll gesperrt.

Zwischenzeitlich versuchte ein Gaffer auf besonders dreiste Art und Weise, sich Zutritt zum Unfallort zu verschaffen. Er soll sich als Sachverständiger ausgegeben und einen falschen Namen angegeben haben, um in den abgesperrten Bereich zu gelangen. Das bestätigt Marc Siegl, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken, im Gespräch mit t-online.

Der Mann habe an der Unfallstelle gestanden und Aufnahmen gemacht, beschreibt ein Reporter vor Ort. Zu diesem Zeitpunkt hat die Polizei tatsächlich das Eintreffen eines Gutachters erwartet, der den Unfall dokumentieren sollte. Als der "echte" Gutachter eintraf, fiel der Schwindel laut Polizeisprecher auf. Als die Polizisten den Mann in Zivilkleidung schließlich baten, sich auszuweisen, folgte eine angeregte Diskussion. Das zeigen Videoaufnahmen der Newsagentur Vifogra. Es habe sich schließlich herausgestellt, dass es sich bei dem Mann eben nicht um den bestellten Gutachter, sondern einen völlig Unbeteiligten handelte. Die Polizei wies ihn daraufhin an, die Daten auf seinem Handy zu löschen. Er erhielt einen Platzverweis.

Der Mann protestierte lautstark. "Wieso soll ich alle Daten löschen?", fragte er eine Beamtin. Die Fotos seien für ihn persönlich bestimmt, weil er "Sicherheitsberater" sei – nicht etwa zur Verbreitung im Internet. "Was machen Sie denn hier jetzt für einen Unfug?", fragt er die Beamtin aufgebracht. Zwei Beamte waren am Unfallort daraufhin minutenlang und unter dem lautstarken Protest des Mannes damit beschäftigt, zu kontrollieren, ob er auch wirklich alle Aufnahmen gelöscht hat. Die Szene hat Vifogra in einem Video festgehalten.

Auf die Frage des Reporters nach seiner Motivation, sagte er: "Es hat mich interessiert." Ob er das auch in Ordnung fände, wenn ein Familienangehöriger von ihm da liegen würde? "Vielleicht. Wenn er ermitteln möchte." Mit einem süffisanten Lächeln und wenig Einsicht zieht der Mann schließlich von dannen.

Polizeisprecher Marc Siegl erklärt t-online: "Das ist absolut dreist." Ihm fehle jegliches Verständnis dafür. Auch weil die Diskussion Kräfte binde, die bei einem lebensgefährlichen Unfall andernorts deutlich dringender benötigt würden. Verletzte müssen versorgt, der Unfall dokumentiert und die Spuren beseitigt werden. Die Straße solle ja auch möglichst schnell wieder für den Verkehr freigegeben werden. "So etwas zieht das alles nur in die Länge."

Gegen den 45-Jährigen wird laut Polizeisprecher nun ermittelt. Die Verkehrspolizei prüft, ob das Verhalten ordnungswidrig war. "Wenn sich jemand unter der Vortäuschung falscher Tatsachen Zutritt verschafft, dann handelt es sich möglicherweise um ein ordnungswidriges Verhalten", erklärt Siegl. Strafrechtlich relevant wird es bei Gaffern grundsätzlich dann, wenn sie etwa das Unfallopfer fotografieren.

Für einen Lichtblick in dem Szenario sorgte dagegen ein Anwohner: Als er den Unfall vor seinem Fenster bemerkte, handelte er geistesgegenwärtig und leistete dem Motorradfahrer nach eigenen Angaben Erste Hilfe – und Beistand, bis der Rettungsdienst eintraf.